Chirurgie ist Therapie mit den Händen!

Fragen an Dr. med. Patrick Dorn – Spitalfacharzt I der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie im Inselspital Bern

Neben seinen Aufgaben als Spitalfacharzt I in der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie ist Dr. med. Patrick Dorn Leiter des ambulanten und prästationären Bereichs. Ausserdem fungiert er als Koordinator der klinischen und der Laborforschung.

Das ist ein sehr umfangreiches Betätigungsfeld. Wir sprachen mit ihm über die vielfältigen Herausforderungen, welche diese unterschiedlichen Bereiche mit sich bringen.

Interview mit Dr. med. Patrick Dorn


Dr. Dorn, Sie sind Kaderarzt der Thoraxchirurgie im Klinikbetrieb, Leiter des ambulanten und prästationären Bereiches und der MPA-Funktion. Dazu kommt noch die Tätigkeit als Koordinator der Forschung im Kliniklabor.
Wie behält man da als Mediziner den Überblick und welcher Bereich steht im Fokus Ihrer Tätigkeiten?

Es ist ja zum Glück nicht so, dass man immer alle Aufgaben gleichzeitig erledigen muss ;-)! Auch wenn man sich uns Chirurgen vor allem im Operationssaal vorstellt, bestimmt natürlich die Organisation und Durchführung des ganzen Weges, den ein Patient durchläuft, unsere Tätigkeit.

Dazu gehört auch der ambulante Bereich, wo der Patient auf die Operation vorbereitet wird und wo er nach dem Spitalaufenthalt weitere Betreuung findet.  

Zusammen mit dem thoraxchirurgischen Notfallmanagement und den Konsilien auf anderen Stationen ergibt das einen interessanten Mix. Dadurch ist unser chirurgischer Tag einerseits manchmal schwer planbar, andererseits aber auch besonders vielseitig.

Die Forschungstätigkeit ist eine zusätzliche Motivation von mir, für die ich im akademischen Umfeld eines Universitätsspitals wie der ‚Insel‘ ideale Voraussetzungen vorfinde, und somit meinen chirurgischen Horizont noch erweitern kann.

Im Fokus jeder unserer Tätigkeiten steht grundsätzlich immer der Patient, der davon schlussendlich profitieren soll.


Sie sind zusätzlich in der Lehre aktiv und halten Vorlesungen für die Thoraxchirurgie. Welche Themen vermitteln Sie den angehenden MedizinerInnen, und was reizt Sie an der Lehrtätigkeit?

Den angehenden ÄrztInnen und den künftigen ChirurgInnen unser Wissen weiterzuvermitteln gehört ebenso zu unserem Alltag und wird von jedem einzelnen Kollegen in irgendeiner Form gelebt.

Mein Lehrbeitrag zum Medizinstudium macht mir großen Spass und ist eine gute Gelegenheit, den StudentInnen mein Fachgebiet vorzustellen und ihnen nützliches Wissen mitzugeben.

Lungenkrebs und Brustkorbverletzungen sind wichtige Vorlesungsinhalte beim Medizinstudium. Das Feedback und die Fragen der angehenden MedizinerInnen führen dazu, dass man seinen Wissensstand ‚à jour‘ hält. Darüber hinaus muss man sich Gedanken machen, wie man dieses Wissen am effektivsten an die jüngere Generation weitergibt.


Welchen Stellenwert hat die medizinische Praxis für Sie, insbesondere die Tätigkeit im OP?

Das Operieren unterscheidet den Beruf des Chirurgen deutlich von allen anderen medizinischen Fachrichtungen. Das Handwerkliche oder das Therapieren mit den Händen war auch mein Antrieb, diesen Ausbildungsweg zu gehen. Die Kombination von klinischem Wissen und technischen Fertigkeiten macht meine Arbeit sehr spannend. Aber was diese Tätigkeit für mich wirklich auszeichnet, ist das Umfeld mit vielen verschiedenen Menschen aus ganz unterschiedlichen medizinischen Bereichen.

Operieren ist Teamwork, und genau das macht grossen Spass.


Gibt es neue Herausforderungen, denen Sie sich in Zukunft persönlich stellen müssen? Und wie sieht es mit zukünftigen Anforderungen an die Universitätsklinik für Thoraxchirurgie in Bern aus?

Eine grosse Herausforderung für die Zukunft wird sicher sein, die Chirurgie an die Bedürfnisse der jüngeren Generation anzupassen, damit es weiterhin eine attraktive Fachrichtung bleibt. Die Qualität unserer Arbeit darf zum Beispiel nicht durch einen Mangel an Chirurgen leiden. Dabei müssen wir einerseits versuchen, die chirurgische Ausbildung weiter zu strukturieren. Andererseits ist es wichtig, Bedingungen zu schaffen, die eine Karriere ermöglichen, welche noch Zeit und Raum lässt für andere soziale und familiäre Pläne.

Dazu werden sicherlich mutige Schritte notwendig sein. Eines unserer Projekte zur weiteren Optimierung wird die, zumindest in unserer Klinik, neue Funktion des „Nurse Practitioners“ sein. Mit diesem neuen Berufsbild erhoffen wir uns mehr Kapazitäten für eine gezieltere chirurgische Ausbildung.