Pflege braucht Kompetenz, Engagement und Menschlichkeit!

Barbara Hürlimann, Leiterin Pflegedienst der Pneumologie und Thoraxchirurgie

Die Leiterin des Pflegedienstes der Pneumologie und Thoraxchirurgie hat ein breites Aufgabengebiet und vielfältige Anforderungen zu erfüllen. Dies betrifft sowohl die Personalführung, z.B. Massnahmen zur Personalerhaltung und Personalrekrutierung, wie auch die Gewährleistung der Rahmenbedingungen damit die hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards in der Pflege der Patientinnen und Patienten erreicht werden können. Hier können wir uns auf die langjährige Kompetenz von Frau Hürlimann verlassen, die neben Deutsch und Schweizerdeutsch, auch Französisch, Italienisch und Englisch, spricht.

Neben den Pflegefachpersonen für den stationären Bereich der Thoraxchirurgie und Pneumologie mit 27 Betten, gehört auch die direkte Personalführung des Pflegepersonals der Tagesklinik zu Ihrem Verantwortlichkeitsbereich.

Hat die COVID-19-Pandemie Ihre Sichtweise auf gewisse Dinge (insbesondere im Bereich der Medizin) verändert?

Sicher hat diese Ausnahmesituation mein Empfinden dafür geschärft, dass ich die Abhängigkeit vom Ausland noch deutlicher erkannt habe und dass diese Abhängigkeit auch Eigeninitiative erfordert. So konnte zum Beispiel eine Berner Schnapsbrennerei durch die Herstellung von Desinfektionsmitteln einen Beitrag leisten, um den erhöhten Bedarf zu kompensieren.

Wie sind das Personal und die Patienten mit der besonderen Situation und den Restriktionen und Auflagen umgegangen?

Unser Personal hat Großartiges geleistet! So ist es uns gelungen, innerhalb von nur 2 Tagen eine Abteilung unseres Stationsbereiches zu leeren und eine komplette COVID 19-Station mit 12 Betten aufzubauen.

Auch die Patienten mussten ja deutliche Einschränkungen hinnehmen. Das betraf neben der Schließung von Verpflegungs- und Gastronomiebereichen insbesondere auch das Besuchsverbot und die verschärften Hygienerichtlinien. Aber auch hier haben die meisten Patienten die Notwendigkeit dieser Massnahmen verstanden und akzeptiert. Ich denke die Schweiz, und besonders auch die Region Bern, ist noch sehr glimpflich davongekommen.

Gab es in der letzten Zeit ein besonders positives Erlebnis oder Ereignis, das Ihnen die Bedeutung der Pflege nochmal speziell verdeutlicht hat?

Sicher ist es die Dankbarkeit der Patienten für unsere Leistungen, die wir erbringen und auch die Wertschätzung, die wir erfahren. Der Ärztliche Direktor der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie, Professor Dr. med. Ralph Schmid, hat kürzlich gesagt, er hoffe, dass diese Krise auch verdeutlicht, dass aufgehört werden muss, auf Kosten der Pflege zu sparen.

Ich hoffe, dass die Wertschätzung und zentrale Bedeutung der Pflegeleistungen flächendeckend deutlich zunehmen.

Wie wichtig ist für Sie, als Pflegedienstleiterin, die Teamfähigkeit und die Fähigkeit, Mitarbeiter zu motivieren?

Ich führe nicht, um zu sagen, was gemacht werden soll, sondern wo wir hin wollen. Das Ziel ist es, vorhandene Spielräume für unsere Mitarbeiter auszunutzen: Vorgaben der Insel-Leitung werden im Team besprochen und wir entscheiden dann gemeinsam, wie sich diese am besten umsetzen lassen. Natürlich bedeutet das trotzdem für mich, Entscheidungen zu treffen. Dennoch sollen sich die Pflegefachpersonen mit diesen Entscheidungen auch identifizieren können, damit Sie sich bei der Arbeit wohlfühlen, denn das kann ein starker Motivationsfaktor sein. Und es bedeutet aber auch, Ihnen einen gewissen Entscheidungsspielraum zu ermöglichen, denn viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben, alleine durch eine viel größere Nähe zum Patienten, in vielen Bereichen eine höhere Expertise als ich. Ich habe ein geniales Team, das unseren Patientinnen und Patienten und dem Kollegenkreis mit einer hohen Wertschätzung und viel Empathie begegnet. Das wird uns auch immer wieder von Patienten- und Angehörigenseite bestätigt.

Welche Fähigkeiten sollte – Ihrer Ansicht nach – eine gute Pflegekraft mit sich bringen?

Flexibilität und Kreativität, weil jeder Tag anders verlaufen kann und Standards nicht den gesamten Klinikalltag abbilden. Dann die Fähigkeit, zum Beispiel bei der Wundberatung, bei einem Patienten zuzulassen, wenn er sagt „das geht bei mir nicht“ und gemeinsam nach einer neuen Lösung zu suchen. Trotz der ganzen Arbeit und Beanspruchungen sollte eine gute Pflegefachkraft so viel als möglich auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen. Eine Pflegefachperson sollte den Willen haben, sich permanent weiterzubilden, denn die beruflichen Anforderungen nehmen im Pflegebereich immer mehr zu. Hier gilt es, neben den Entwicklungen in der Pflege an und für sich auch bei neuen Verfahren und Methoden der Medizin/Medizintechnik auf dem Laufenden zu sein und Neuerungen umsetzen zu können, damit Patientinnen und Patienten immer auf dem aktuellen Stand des Wissens und des Könnens, „State of the Art“, betreut werden.

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