Rauchen kann das Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf womöglich steigern!

„Thorax Schweiz“ sprach mit dem Chefarzt der Pneumologie und Inneren Medizin des Berner Rehabilitationszentrums Heiligenschwendi und Konsiliararzt des Inselspitals in Bern - über das Infektionsrisiko und Risiko schwerer Krankheitsverläufe (von Rauchern) - im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie.

Fragen an:

DR. MED. PATRICK BRUN
Facharzt FMH für Innere Medizin und Facharzt FMH für Pneumologie

Haben Raucher ein höheres Risiko an einer COVID-19 Infektion zu erkranken und wenn ja – was sind die Gründe dafür?

Erste Erkenntnisse weisen bis jetzt kein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Raucher aus. Vorläufige Studien aus der Volksrepublik China belegen, dass ca. 25 Prozent der am COVID-19-Virus erkrankten Patienten aktive bzw. ehemalige Raucher sind bzw. waren. Dies deckt sich jedoch mit der Gesamtzahl von 27,3 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, die angeben entweder Raucher zu sein oder früher geraucht zu haben.Trotzdem stehen wir hier erst am Anfang unseres Wissens und es bedarf zahlreicher weiterer Studien mit viel höheren Teilnehmerzahlen. Denn wir wissen bisher lediglich, dass Raucher allgemein deutlich anfälliger für Infektionen mit Viren (z. B. Grippevirus) und mit Bakterien sind. Erschwerend kommt hinzu, dass es bereits erste Hinweise darauf gibt, dass bei Rauchern die COVID-19-Viren leichter an die Lungenzellen andocken können. Wie eingangs bereits erwähnt, stehen wir hier am Anfang der Forschung und der Studienarbeiten und es bedarf noch viel mehr, um diesen Verdacht tatsächlich zu belegen. Obwohl nicht studienmäßig belegt, birgt sicher auch der Vorgang des Rauchens selbst Ansteckungsrisiken. Raucher bringen häufig Hände und Finger ins Gesicht und an die Lippen. Somit gelangen die COVID-19-Viren deutlich schneller und direkter in den Körper und können sich dort festsetzen.

Müssen Raucher die an COVID-19 erkrankt sind mit einem schwereren Krankheitsverlauf rechnen – woran liegt das und auf wie viel Prozent der Fälle trifft dies zu?

Statistisch signifikante Resultate sind noch nicht vorhanden. Die ersten Ergebnisse deuten jedoch auf ein erhöhtes Risiko eines schwereren Krankheitsverlaufes hin. So dokumentieren die Zahlen aus China, dass Raucher zumindest ein erhöhtes Risiko eines schwereren Verlaufs haben und auch eher an der neuen Lungenerkrankung sterben. Ärzte in Europa geben zu bedenken, dass vor allem unter 40-jährige Raucher einen schwereren Verlauf erleiden. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass langjährige Raucher häufig bereits bestehende Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen haben. Zudem leiden sie häufig an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Es ist bekannt, dass vor allem diese Folgeerkrankungen ein erhöhtes Risiko darstellen für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Es wurde bereits die Vermutung geäussert, dass in vielen Ländern mehr Männer als Frauen an COVID-19 erkranken, weil mehr Männer als Frauen rauchen.

Senkt ein sofortiger Rauchverzicht auch das Infektionsrisiko und kann ein sofortiger Rauchverzicht die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufes reduzieren?

Vorläufige Untersuchungen belegen keinen entscheidenden Unterschied zwischen aktiven und ehemaligen Rauchern in Bezug auf den Krankheitsverlauf. Beim Infektionsrisiko fällt beim sofortigen Rauchverzicht zumindest das erhöhte Risiko durch den oben beschriebenen häufigen Gesichts- und Lippenkontakt weg.

Wie sieht es bei Menschen aus, die bereits seit längerer Zeit mit dem Rauchen aufgehört haben. Besteht hier ein Risiko für schwerere Krankheitsverläufe?

Bei früheren Rauchern kommt es auf die Lungenschädigung an, ob sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion haben. Es kann sein das, früher moderat Rauchende, die keine Lungenschädigung erfahren haben, kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Wie viel Prozent der mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2 / Covid-19) infizierten Patienten in der Schweiz sind Raucher?

Dazu liegen uns zur Zeit leider noch keine Daten vor.

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