Lungenkrankheiten: Wenn die Luft knapp wird: Pneumonie erkennen und Palliative Care frühzeitig nutzen

by Tariq Abu-Naaj

Eine Lungenentzündung gehört zu den Lungenkrankheiten und kann sich zunächst ähnlich wie ein gewöhnlicher Atemwegsinfekt anfühlen. Husten, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl erscheinen vielen Menschen erst einmal vertraut. Doch eine Pneumonie kann ernst verlaufen – insbesondere bei älteren Menschen sowie bei Patientinnen und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem oder chronischen Erkrankungen.

In einer neuen Folge des Thorax Schweiz Podcasts sprechen Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj mit Dr. med. Dominik Schneider, Chief Medical Officer und Chefarzt Medizin am Spital Männedorf. Das Gespräch verbindet drei Bereiche, die im klinischen Alltag eng zusammengehören: die Behandlung einer Pneumonie, schnelle Entscheidungen in der Notfallmedizin und die frühzeitige Einbindung von Palliative Care.

Was ist eine Pneumonie?

Eine Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes. In den meisten Fällen wird sie durch eine Infektion ausgelöst. Zu den möglichen Erregern gehören Bakterien und Viren, deutlich seltener auch Pilze. Daneben gibt es nicht infektiöse Formen, die beispielsweise durch das Einatmen bestimmter Stoffe oder andere Erkrankungen entstehen können.

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Typische Symptome sind:

  • Husten
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Atemnot
  • Schmerzen beim Atmen
  • ein deutliches Schwäche- oder Krankheitsgefühl

Allerdings treten nicht alle Beschwerden immer gemeinsam auf. Gerade ältere Menschen können eine Lungenentzündung auch mit weniger eindeutigen Symptomen entwickeln. Statt hohem Fieber stehen dann möglicherweise Schwäche, Verwirrtheit, Appetitlosigkeit oder eine allgemeine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Vordergrund.

Das macht die Einschätzung für Betroffene und Angehörige nicht immer einfach.

Atemnot ist ein wichtiges Warnzeichen

Im Podcast hebt Dr. Schneider ein Symptom besonders hervor: Atemnot sollte immer ernst genommen werden.

Wer bereits einmal unter starker Atemnot gelitten hat, weiss, wie belastend dieses Gefühl sein kann. Es entsteht nicht nur der Eindruck, zu wenig Luft zu bekommen. Häufig kommt Angst hinzu, die die Atemnot zusätzlich verstärken kann. So kann ein Kreislauf entstehen, bei dem sich körperliche Beschwerden und psychische Belastung gegenseitig beeinflussen.

Neu auftretende oder deutlich zunehmende Atemnot sollte deshalb zeitnah medizinisch abgeklärt werden. Bei starker akuter Atemnot, bläulichen Lippen, Bewusstseinsstörungen oder einer raschen Verschlechterung ist sofortige Hilfe erforderlich.

In der Notfallmedizin zählt zunächst, die Sauerstoffversorgung und den Kreislauf zu stabilisieren. Je nach Zustand erhalten Patientinnen und Patienten Sauerstoff, Flüssigkeit oder weitere unterstützende Medikamente. Besteht der Verdacht auf eine schwere bakterielle Infektion oder eine Sepsis, muss die Behandlung schnell beginnen.

Nicht jede Lungenentzündung wird gleich behandelt

Die Therapie einer Pneumonie richtet sich nach ihrer Ursache, dem Schweregrad und der individuellen gesundheitlichen Situation.

Bei einer bakteriellen Lungenentzündung kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Ist der genaue Erreger bekannt, kann das Medikament gezielt ausgewählt werden. Zu Beginn einer Behandlung steht diese Information jedoch häufig noch nicht zur Verfügung. Dann kann zunächst ein Antibiotikum verwendet werden, das gegen mehrere wahrscheinliche Bakterien wirkt.

Bei einer viralen Pneumonie helfen Antibiotika dagegen nicht. Hier besteht die Behandlung vielfach darin, den Körper während der Abwehr des Erregers zu unterstützen. Dazu können die Gabe von Sauerstoff, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die gezielte Linderung der Beschwerden gehören.

Auch bei der Dauer einer Antibiotikatherapie hat sich die Medizin weiterentwickelt. Während Lungenentzündungen früher häufig zehn bis vierzehn Tage behandelt wurden, kann heute in vielen Fällen eine kürzere Therapie ausreichen. Dr. Schneider nennt im Podcast einen Zeitraum von häufig fünf bis sieben Tagen. Wie lange ein Antibiotikum tatsächlich notwendig ist, muss jedoch immer individuell ärztlich entschieden werden.

Der bewusste Umgang mit Antibiotika ist wichtig, um Nebenwirkungen zu reduzieren und der Entstehung resistenter Bakterien entgegenzuwirken.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Grundsätzlich kann jeder Mensch an einer Pneumonie erkranken. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben jedoch insbesondere Menschen, deren Immunabwehr eingeschränkt ist.

Dazu gehören unter anderem:

  • ältere Menschen
  • Patientinnen und Patienten mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen
  • Menschen nach einer Organtransplantation
  • Personen mit bestimmten Autoimmunerkrankungen
  • Patientinnen und Patienten unter einer langfristigen Kortisontherapie
  • Menschen, deren Immunsystem durch eine Krebstherapie geschwächt ist

Auch Impfungen können für bestimmte Personengruppen eine wichtige Rolle spielen. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Pneumokokkenimpfung unter anderem für Personen ab 65 Jahren und für Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Risiken. Welche Impfungen im Einzelfall sinnvoll sind, sollte mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprochen werden.

Was hat Palliative Care mit Lungenerkrankungen zu tun?

Nicht alle schweren Lungenerkrankungen können geheilt werden. Das gilt beispielsweise für fortgeschrittenen Lungenkrebs, eine weit fortgeschrittene COPD oder eine Lungenfibrose.

An diesem Punkt kommt Palliative Care ins Spiel. Viele Menschen verbinden diesen Begriff ausschliesslich mit Sterbebegleitung. Dadurch entstehen häufig Angst und der Eindruck, die Medizin würde „aufgeben“. Doch diese Vorstellung greift zu kurz.

Palliative Care richtet den Blick nicht in erster Linie auf die Heilung einer Erkrankung, sondern auf die Lebensqualität des betroffenen Menschen. Sie kann Beschwerden lindern, Sicherheit schaffen und Patientinnen, Patienten sowie ihre Angehörigen in einer belastenden Situation unterstützen.

Dabei geht es nicht nur um körperliche Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder eine belastende Schleimbildung. Ebenso wichtig sind psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Ängste, Unsicherheit, familiäre Belastungen und Fragen zur weiteren Versorgung gehören ausdrücklich dazu.

Warum Palliative Care früh beginnen sollte

Früher wurden die Behandlung einer Krebserkrankung und die palliative Begleitung häufig als zwei getrennte Phasen betrachtet. Zunächst stand die gegen den Tumor gerichtete Behandlung im Mittelpunkt. Erst wenn diese nicht mehr möglich war, wurde die Palliativmedizin hinzugezogen.

Heute ist der Ansatz ein anderer. Onkologie und Palliative Care können bereits frühzeitig Hand in Hand arbeiten. Eine Chemotherapie oder eine andere krankheitsgerichtete Behandlung kann fortgesetzt werden, während gleichzeitig belastende Symptome palliativ behandelt werden.

Diese frühe Zusammenarbeit hat einen weiteren Vorteil: Die Patientinnen und Patienten lernen das Palliative-Care-Team kennen, bevor eine akute Krise entsteht. Es kann Vertrauen aufgebaut und gemeinsam besprochen werden, welche Unterstützung gewünscht wird. Verändert sich die Erkrankung, müssen wichtige Entscheidungen nicht unter völligem Zeitdruck getroffen werden.

Palliative Care bedeutet daher nicht, weniger Medizin zu erhalten. Sie bedeutet, die medizinische Behandlung konsequent an den persönlichen Bedürfnissen und der Lebensqualität auszurichten.

Wenn zwischen Intensivmedizin und Palliative Care entschieden werden muss

Besonders anspruchsvoll sind Situationen, in denen schwer erkrankte Menschen über die Notfallstation ins Spital kommen. Dann muss möglicherweise entschieden werden, ob eine Behandlung auf der Intensivstation, eine künstliche Beatmung oder eine stärker symptomorientierte Versorgung sinnvoll ist.

Solche Entscheidungen lassen sich nicht allein anhand einer Diagnose treffen. Entscheidend sind der allgemeine Gesundheitszustand, die realistischen Erfolgsaussichten einer Behandlung und vor allem der Wille der Patientin oder des Patienten.

Am Spital Männedorf arbeiten Notfallmedizin, Intensivmedizin und Palliative Care deshalb eng zusammen. Der direkte Austausch zwischen den Fachpersonen hilft dabei, für jeden Menschen eine individuell passende Lösung zu finden.

Warum eine Patientenverfügung nicht warten sollte

Eine der wichtigsten Botschaften von Dr. Schneider richtet sich nicht nur an schwer erkrankte Menschen. Jeder von uns kann unerwartet in eine Situation geraten, in der er sich nicht mehr selbst äussern kann.

Dann müssen Angehörige und das medizinische Team Entscheidungen treffen, ohne sicher zu wissen, was die betroffene Person gewollt hätte.

Deshalb ist es sinnvoll, sich bereits in gesunden Zeiten mit den eigenen Vorstellungen zu beschäftigen:

  • Welche Behandlungen wünsche ich mir?
  • Welche medizinischen Massnahmen lehne ich möglicherweise ab?
  • Was bedeutet Lebensqualität für mich?
  • Wer soll für mich entscheiden, wenn ich es selbst nicht mehr kann?

Eine Patientenverfügung kann den eigenen Willen schriftlich festhalten. Mindestens ebenso wichtig ist das offene Gespräch mit Angehörigen. Sie sollten wissen, welche Werte, Wünsche und Grenzen für den betroffenen Menschen entscheidend sind.

Das Bundesamt für Gesundheit betont, dass eine frühzeitige gesundheitliche Vorausplanung die Selbstbestimmung stärkt. Es geht dabei nicht darum, jede denkbare Situation vorherzusehen. Vielmehr soll eine Orientierung entstehen, die in einem Notfall Sicherheit geben kann.

Medizin bedeutet behandeln und begleiten

Die Podcastfolge mit Dr. med. Dominik Schneider zeigt, wie eng Akutmedizin und Palliative Care miteinander verbunden sind. Bei einer schweren Pneumonie können schnelle Diagnostik und Behandlung entscheidend sein. Bei einer nicht mehr heilbaren Erkrankung kann eine frühzeitige palliative Begleitung dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zu erhalten.

Beides hat ein gemeinsames Ziel: die Behandlung auf den einzelnen Menschen auszurichten.

🎧 Im Thorax Schweiz Podcast erfahren Sie, welche Warnzeichen bei einer Pneumonie ernst genommen werden sollten, wie Entscheidungen im Notfall getroffen werden und weshalb es sinnvoll ist, frühzeitig über die eigenen Behandlungswünsche zu sprechen.

Jetzt die vollständige Folge mit Dr. med. Dominik Schneider anhören:

https://letscast.fm/sites/thorax-schweiz-der-podcast-2ee5ab79: Lungenkrankheiten: Wenn die Luft knapp wird: Pneumonie erkennen und Palliative Care frühzeitig nutzen

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Beratung. Bei akuter starker Atemnot oder einer raschen Verschlechterung des Gesundheitszustandes sollte unverzüglich medizinische Hilfe angefordert werden.